Kann man selbst mit überschaubarem Aufwand gegen die Verschmutzung von Land und Meer durch Mikroplastik vorgehen? Im Alltag gibt es einige Situationen, die für Mikroplastik verantwortlich sind und die man mit recht wenig Aufwand zum Positiven ändern kann. Wir haben ein paar Beispiele gesammelt…
Plastik ist ein Problem. Aus den verschiedensten Gründen. Plastik vermeiden aber auch, denn es ist allgegenwärtig. Was also tun? Sowohl Wissenschaftler*innen als auch Laien jedweden Geschlechts forschen und überlegen, was man tun kann, um die Plastikflut einzudämmen.
Forscher der Universität Basel haben vor einigen Jahren den Rhein auf Mikroplastik hin untersucht und festgestellt, dass er ziemlich verseucht ist. Bei Köln fanden sie rund 714.000 Plastikpartikel pro Quadratkilometer im Wasser, im Ruhrgebiet bereits 3,9 Millionen Partikel. Wen wundert’s – irgendwo muss das ganze in den Meeren ja herkommen.
Mikroplastik, also Plastikteilchen, die kleiner sind als 5 mm, entsteht auf zwei Arten. Zum einen gibt es das sogenannte primäre Mikroplastik.
Primäres Mikroplastik
Eigens hergestellte Mini-Plastikteilchen, z.B. Kunststoffgranulat aus Polyethylen (PE) oder Polypropylen (PP), werden etwa als Schleifkörper in Kosmetik- und Reinigungsartikeln eingesetzt. In Shampoo, Duschgel, Peelings, Zahnpasta, ja sogar in Hautcreme finden sich die winzigen Plastikteilchen. Aber auch Kunststoffgranulat, aus dem dann in der Industrie Gegenstände hergestellt werden, zählt dazu. Und sogenannte Strahlmittel für die Nachbearbeitung von Produkten aus dem 3D-Druck.
Eine weitere Gruppe primäres Mikroplastik ist Abrieb aller Art. Von Schuhsohlen. Von Auto- und Fahrradreifen. Von Kunstrasenplätzen für Fußball und Hockey. Von Kleidung aus den beliebten Fleece-Materialien. Und noch aus zahlreichen anderen Quellen.
Sekundäres Mikroplastik
Sekundäres Mikroplastik sind Plastikstückchen, die durch die mehr oder weniger schnelle Zerstückelung von Plastikmüll in der Umwelt entstehen, entweder durch UV-Licht oder mechanisch.
Warum ist Mikroplastik gefährlich?
Was macht die Winz-Teilchen so gefährlich? Die Basler Forscher Thomas Mani, Armin Hauk, Ulrich Walter und die Wissenschaftlerin Patricia Burkhardt-Holm fassen es knapp zusammen: Die Teilchen werden von Wasserorganismen gefressen mit „negativen Konsequenzen fürs Überleben, Fitness, Vermehrung und Gesundheit“. Auch für uns Menschen. Denn über die Nahrungskette landen sie in unserem Essen.
Veganer haben da auch kein Glück: Mikroplastik ist auch in Frischwasser enthalten, aus dem ja unser Trinkwasser gewonnen wird. Und die ganz winzigen Teilchen im Nanometer-Bereich sind zumindest bei Tieren zellgängig, hat man inzwischen beobachtet – also vermutlich auch bei Menschen. Zudem enthalten die Plastikteilchen zahlreiche chemische Verbindungen und verbinden sich außerdem noch mit gefährlichen Stoffen aus der Umgebung.
Menschen und Tiere nehmen also Mikroplastik über die Atmung und die Nahrung auf. Welche Folgen das für die Gesundheit haben kann, ist noch nicht umfassend erforscht. Das ist auch überaus schwierig. Zum einen, weil Mikroplastik aus zahlreichen unterschiedlichen Stoffen besteht. Zum anderen, weil die Teilchen beispielsweise andere Stoffe aus der Umwelt wie ein Magnet anziehen können und dadurch neue Eigenschaften bekommen, oder weil ihre Form und Größe ebenfalls Einfluss haben könnte.
Leider können selbst moderne Kläranlagen diese Winz-Teilchen nur ungenügend herausfiltern. Der Zweckverband Jenawasser berichtet, dass allein in Deutschland pro Jahr rund 112.000 Tonnen Mikroplastik den Kläranlagen entkommen und in der Umwelt landen.
Also wäre es am besten, wenn Mikroplastik garnicht erst in der Umwelt landen würde. Alternativ: wenn man es gleich beim Entstehen wieder einfangen könnte, oder jedenfalls am besten, bevor es ins Meer gelangt.
Was kann man selber tun gegen Mikroplastik? Von ganz einfach bis aufwändiger
Wer Mikroplastik einsparen will, hat mehrere Möglichkeiten, von einfach bis aufwändig.
Gelben Sack windsicher machen
Eine einfache Variante ist z.B. dafür zu sorgen, dass der gelbe Sack mit Plastikmüll nicht vom Winde verweht werden kann. Wenn bei stürmischem Wetter Plastikmüll fürs Recycling abgeholt wird, sieht man immer wieder zerrissene gelbe Säcke, deren Inhalt über die Straßen und in die Umwelt fliegt. Letztlich landet das alles in unserem Essen – als Mikroplastik. Ein echter Grund, den gelben Sack für die Müllabfuhr sturmsicher bereitzustellen.
Zigarettenfilter in den Müll
Zigarettenfilter bestehen meist aus dem Kunststoff Zellulose-Acetat. Wer seine Kippen also in den Mülleimer wirft statt aus dem fahrenden Auto oder statt sie anderweitig in der Landschaft zu verteilen, leistet schon einen echten Beitrag zum Umweltschutz. Denn wie der BUND berichtet, landen weltweit pro Jahr rund 3.650 Milliarden Zigarettenkippen – und damit die Plastikfilter – einfach auf dem Boden statt im Müll.
Wiederverwendbare Einkaufstasche statt Plastiktüte
Wer beim Einkaufen einen Weidenkorb, eine Tasche oder ein Netz aus Stoff oder Jute mitnimmt und immer wieder verwendet, spart viel Plastik ein. Loses Gemüse und Obst im Supermarkt kann, wenn man es selbst wiegen muss, auch direkt mit dem Aufkleber versehen werden, anstatt es in eine Plastiktüte zu stecken – mit ist kein Fall bekannt, dass jemand deswegen Probleme an der Kasse bekommen hätte.
Mikroplastikfreies Bad
Wer Kosmetika und Pflegeprodukte ohne Mikroplastik einkaufen möchte, kann sich entweder richtig schlau machen, alle Bezeichnungen lernen und dann gründlich das Kleingedruckte studieren. Wer’s bequemer will und ein Handy besitzt, verwendet die ToxFox-App des BUND. Sie erkennt am Barcode, ob Kosmetikprodukte Mikroplastik (oder Nanopartikel oder hormonelle Schadstoffe) enthalten. Einfach Barcode scannen – und die Hersteller per Geldbeutel davon überzeugen, mikroplastikfreie Produkte herzustellen.
Kleidung aus Naturfasern kaufen
Es lohnt sich gleich mehrfach, beim nächsten T-Shirt- oder Pullover-Kauf darauf zu achten, dass das Hemdchen (und andere Kleidungsstücke) möglichst aus reiner Naturfaser besteht. Denn die hält länger als Shirts aus Kunstfasern, die schon nach kurzer Zeit lauter kleine Knötchen auf der Oberfläche entwickeln und unschön aussehen.
Partikelfilter für die Waschmaschine
Beim Waschen von Kleidung aus Kunstfaser entsteht auch eine Menge Mikroplastik durch Abrieb. Guppyfriend heißt ein Wäschebeutel der – ironischerweise – zwar selber aus Plastik besteht, aber den Abrieb an sich schon verringert und ihn außerdem nicht ins Wasser entlässt. Man kann die Fasern also nach dem Waschen aus dem Beutel fischen und im Müll entsorgen. Praktisch: Das schont auch die Kleidung.
Teurer sind Filter, die das Waschwasser von Mikroplastik reinigen sollen. Utopia hat eine Übersicht zusammengestellt
Filter aus Sägemehl und Gerbsäure entwickelt
Eine Gruppe von Wissenschaftler*innen der University of British Columbia hat 2023 einen neuen Wasserfilter vorgestellt, der aus Sägemehl und Tannin (Gerbsäure) besteht. Das ist nicht nur billig und nachhaltig, weil es aus Pflanzenmaterial besteht. Die Kombination soll zudem zwischen 95,2 Prozent und 99,9 Prozent aller Mikroplastik-Partikel aus dem Wasser fischen können. Die Wissenschaftler*innen sind zudem der Ansicht, ihr Filter lasse sich skalieren, also sowohl in der Wohnung einsetzen als auch für große Kläranlagen. Leider ist es aber noch nicht so weit, dass man ihn irgendwo kaufen könnte.
Wang, Y. et al: Flowthrough Capture of Microplastics through Polyphenol-Mediated Interfacial Interactions on Wood Sawdust. Adv. Mater. 2023, 35, 2301531. https://doi.org/10.1002/adma.202301531
Weitere Informationen
- BUND über Mikroplastik
- BUND-Einkaufsratgeber zu Mikroplastik
- Thomas Manis Rheinuntersuchung auf Mikroplastik (2014)
- Thomas Mani et al.: Microplastics profile along the Rhine River. · Scientific Reports 5, Article number: 17988 (2015). https://doi.org/10.1038/srep17988
- Saha, S., Laforsch, C., Ramsperger, A. et al. Mikroplastik und dermatologische Versorgung. Dermatologie 74, 27–33 (2023). https://doi.org/10.1007/s00105-022-05035-z